Über das Netzwerk Leipziger Freiheit

Die Stadt Leipzig hat sich im Wohnungspolitischen Konzept der Stadt Leipzig (Beschluss 2015) für die Stärkung kooperativer Wohnformen ausgesprochen. Daher unterstützt sie Wohnprojektinitiativen durch die Vergabe städtischer Liegenschaften im Konzeptverfahren und ein Beratungsangebot zu allen Fragen rund ums kooperative Bauen und Wohnen. Damit sollen Hürden für die Umsetzung kooperativer Wohnprojekte abgebaut werden.

 

Anlaufstelle und Drehscheibe für die Wohnprojekte ist das Netzwerk Leipziger Freiheit.

 

Netzwerk Leipziger Freiheit

Initiative für kooperatives und bezahlbares Wohnen

Leibnizstraße 15, 04105 Leipzig

 

0341-97 49 399

info@netzwerk-leipziger-freiheit.de

 

Telefonische Sprechzeiten Mo – Do, 13 – 17 Uhr

Beratungstermine nach Vereinbarung

 

Netzwerkpartner sind die zumeist ehrenamtlichen Initiativen und Vereine, die beratend in Leipzig kooperative Wohnprojekte auf den Weg bringen:

 

Alternative Wohngenossenschaft Connewitz e.G.,  Arbeitskreis Integriertes Wohnen e.V.,  HausHalten e.V.,  Haus- und WagenRat e.V.,  innova e.G.,  Mietshäuser Syndikat,  selbstnutzer e.V.

 

Zu den weiteren aktiven Partnern des Netzwerkes gehören das Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) und die Träger städtischer Quartiers-, Magistralen- und Stadtumbaumanagements sowie Eigentümerberatungen.

 

Die Koordinierungsstelle des Netzwerkes ist das Bindeglied zwischen Netzwerkpartnern und Stadt. Sie bündelt die Netzwerkaktivitäten, organisiert die kostenlose Anlaufberatung für Wohnprojektinitiativen und soll mehr Akzeptanz und Nachfrage für kooperative Wohnprojekte in Leipzig schaffen.

 

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Mehr zu Zielen und Aufgaben der Koordinierungsstelle

Leipziger Freiheit und Vielfalt erhalten

 

Der Slogan Leipziger Freiheit steht für die Entwicklungsmöglichkeiten und Gestaltungsfreiräume dieser Stadt. Der in Zeiten der Schrumpfung kreative statt resignative Umgang mit Möglichkeiten und Räumen gehört zum Leipziger Selbstverständnis. Hiermit punktete die Stadt im Wettbewerb und begegnete der Abwärtsspirale aus Geburtenrückgang und Arbeitsplatzabwanderung. Das Image einer offenen, toleranten, dynamisch-experimentierfreudigen Stadt ist nicht zuletzt einer der Gründe, der heute überregional Menschen dauerhaft nach Leipzig zieht.

 

Die Leipziger Freiheit und Vielfalt als Entwicklungsimpuls und wichtigen Baustein der Stadtidentität zu erhalten, ist in Zeiten des Wachstums kein Selbstläufer. Auf dem Leipziger Wohnungsmarkt bedeutet Wachstum einen spürbaren Nachfrageanstieg und dringend benötigte private Investitionen in den Schwerpunkträumen der Stadtentwicklung. Entsprechend bewegt sich aktuell die Absorption von Gebäudebeständen und Entwicklungsflächen – auch durch (internationale) Kapitalanleger – auf hohem Niveau. Ein zeitnaher Rückgang der Wohnungsleerstandsquote auf unter 3% ist nicht unrealistisch. Der enorme Nachfragezuwachs engt jedoch die Spielräume für vielfältige Wohnformen, kooperative Hausprojekte, Selbstnutzerinitiativen in innerstädtischen Lagen bereits jetzt ein.

 

Eine dringende Zukunftsaufgabe Leipzigs wird es sein, den Möglichkeiten der Leipziger Freiheit in der Wohnungs- und Quartiersentwicklung auch unter Wachstumsbedingungen gerecht zu werden und dies zu bewerben. Das Wohnungspolitische Konzept (WoPoKo) der Stadt Leipzig bezieht hierzu mit dem Leitsatz Freiräume für vielfältige Lebensformen als besonderes Merkmal erhalten eine klare Position und sieht den Aufbau des Netzwerkes Leipziger Freiheit und seiner Koordinierungsstelle als ein Instrument vor. Im Verbund sollen Netzwerk und Koordinierungsstelle das kooperative Bauen und Wohnen in Leipzig zu einer neuen Qualität und Quantität weiterentwickeln.

 

Potenziale Kooperativer Wohnformen: Bezahlbaren Wohnraum und
„Stadtwert“ schaffen

 

Kooperative Bau- und Wohnformen schaffen in aller Regel bezahlbaren Wohnraum und einen „Stadtwert“. Sie stabilisieren das Quartier und entlasten die sozialen Sicherungssysteme der Stadt. Hierzu tragen folgende Grundanlagen kooperativer Modelle bei:

 

  • In der Gruppe können bis zu 20% der Baukosten für Wohnprojekte eingespart werden. Zudem erhalten Wohnprojektinteressierte mit geringerer Bonität – eingebunden in Genossenschaften, Stiftungsmodelle und Projektgesellschaften – einen Kapitalzugang für den Erwerb und die Entwicklung von Immobilien. Bei entsprechend gemäßigten Ansprüchen an Wohnfläche und Ausstattungsstandards sowie durch kooperative Wohnformen kann hieraus bezahlbarer Wohnraum entstehen, der dauerhaft im Quartier verankert ist. 
  • Haus- und Wohngemeinschaften kooperativer Projekte haben oft einen starken Bezug zu ihrem Wohnumfeld und ihrer Nachbarschaft. Sie können als Quartierswächter und -entwickler auftreten und hierin die Aktivitäten der Stadt unterstützen. 
  • Der Mehrgenerationenansatz vieler kooperativer Projekte bietet Möglichkeiten für veränderte Lebensentwürfe. Alleinstehende Senioren und Alleinerziehende können aus der räumlichen Kopplung von Jung und Alt gleichermaßen profitieren. 
  • Bei vielen Modellen schaffen sich Mitglieder von Wohnprojektinitiativen als Anteilseigner an Wohnimmobilien eine private Altersvorsorge oder erhalten langfristige Mietgarantien. Diese Sicherheiten können Gefahren der Altersarmut abpuffern und die Sozialsysteme entlasten. 
  • Eine Reihe von kooperativen Wohnprojekten vereint unterschiedlichste Nutzungen unter einem Dach. Hierzu zählen Räume für die Hausgemeinschaft und Nachbarschaft, Arbeitswelten (bspw. Büro- und Handwerkereinheiten), Cafés, Räumlichkeiten für Kreativ- und Bewegungsworkshops etc. In dieser Breite entwickelt können kooperative Projekte die Nutzungsmischung im Quartier erhöhen bzw. als Initiator anstoßen. 
 
Ziele und Aufgaben der Koordinierungsstelle

 

Die Vielzahl dieser „Stadtwerte“ gilt es in Leipzig zu festigen und gerade in der wachsenden Stadt zu befördern. Als Meilensteine auf diesem Weg stellt sich die Koordinierungsstelle des Netzwerkes folgende Ziele und Aufgaben:

 

Marktnachteile von kooperativen Wohnprojekten ausgleichen

Der Zugang zu Immobilien und Krediten sind maßgebliche Erfolgsfaktoren von Wohnprojektinitiativen. Auf sich gestellt besitzen die Initiativen zum einen deutliche Informationsdefizite gegenüber institutionellen Immobilienentwicklern, die in Marktkenntnis investieren. Zum anderen verfügen sie zumeist über vergleichsweise geringe Finanzierungsspielräume. Ansätze, um diese Marknachtteile auszugleichen, können sein:

  • Bereitsstellung städtischer Liegenschaften für kooperative Wohnformen– auch das WoPoKo schlägt analog zum Vorgehen in anderen dt. Großstädten vor, für Baugemeinschaften bei ausreichendem Wohnungsmarktdruck Flächenkontingente zu reservieren,
  • Berücksichtigung von kooperativen Modellen in der sog. Vergabe im Konzeptverfahren,
  • Förderung von Wohnprojektberatern und -geldgebern, die bereits in Leipzig aktiv sind oder die für den Leipziger Markt neu „angeworben“ werden können. 

Kooperatives Bauen und Wohnen bekannt machen und neue Wege in Leipzig gehen

Über den „kooperativen Weg“ als Alternative für innerstädtisches Wohnen oder Eigentum zu bezahlbaren Preisen wissen potenzielle Zielgruppen noch zu wenig. Die breitangelegte Öffentlichkeitsarbeit der Koordinierungsstelle die Bekanntheit und die Potenziale kooperativer Bau- und Wohnformen deutlich verbessern.

 

In der Rolle eines Lotsen und Beraters ist die Koordinierungsstelle eine Anlaufstelle für Baugruppeninteressierte und Mietergemeinschaften. In Orientierungsgesprächen werden zum einen in Leipzig vertretende, kooperative Modelle aufgezeigt. Zum anderen vermittelt die Koordinierungsstelle passgenaue Kontakte zu weiterführenden Konzept- und Fachberatungen der Netzwerkpartner.

 

Neue, kooperative Wege in Leipzig brauchen auch neue Partner. Die Koordinierungsstelle sieht es als Aufgabe, bspw. für den kooperativen Neubau neue Beratungsinitiativen für den Leipziger Markt zu gewinnen.

 

Flexible, kooperative Wohnungsgrundrisse, die sich bspw. für generationsübergreifende Wohngemeinschaften eignen und eine lebenszyklusorientierten Sichtweise berücksichtigen, sind auf dem Leipziger Mietwohnungsmarkt kaum präsent. Hintergrund ist die Unsicherheit der Wohnungswirtschaft in der Vermietbarkeit und in der baulichen Gestaltung solcher Wohnformen. Durch einen Know-How-Import und die Vernetzung der Wohnungswirtschaft mit Erfahrungsträgern will die Koordinationsstelle Möglichkeiten aufzeigen, neue Akteure gewinnen und den Weg für kooperative Wohnmodelle in Leipzig ebnen.

Politikberatung zum kooperativen Ansatz

Derzeit werden städtische Liegenschaften für Wohnprojekte an den Meistbietenden veräußert. Bei dieser Vergabepolitik finden Stadtwerteffekte durch bspw. kooperatives Bauen und Wohnen keine Berücksichtigung. Die Koordinierungsstelle wird zusammen mit den Netzwerkpartnern auf diese Vergabepraxis öffnend einwirken und soll über den Zugang zur Fläche die Marktanteile kooperativer Modelle in Leipzig spürbar erhöhen. Die Politikberatung in den Gremien zu kooperativen Modellen stellt daher einen wichtigen Aufgabenbereich der Koordinierungsstelle dar.

 

 
Interaktion der Koordinierungsstelle mit den aktiven Netzwerkpartnern

 

In Leipzig gibt es bereits vielfältige Initiativen und Beratungsangebote zu kooperativen Bau-und Wohnformen. Auf unterschiedlichen Ebenen vernetzt, veranstalten die Aktivisten in diesem Bereich u.a. gemeinsame Arbeitskreise, Fachtagungen und -vorträge. Einen wichtigen Netzwerkschub gab das EU-Projekt EPOurban – Beratung von Hauseigentümern in Stadt-erneuerungsgebieten. In der Projektlaufzeit zwischen September 2011 – November 2014 arbeiteten unabhängige Berater selbstorganisierter Hausprojekte und Eigentümerberatungsstrukturen des Amts für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung eng zusammen. 

 

Im Ergebnis ist ein informelles Netzwerk Leipziger Freiheit entstanden, das sich unter dem gemeinsamen Ziel der Förderung von bezahlbarem und kooperativem Bauen und Wohnen zusammenfindet. Das Netzwerk Leipziger Freiheit dient dem Austausch und gemeinsamen Aktivitäten der unabhängigen Netzwerkpartner.

 

Die Koordinierungsstelle unterstützt und initiiert diese Prozesse. Das hohe Gut der zumeist ehrenamtlichen Beraterstrukturen wird finanziell und durch einen Pool an Fachberatern gesichert und ausgebaut. Gemeinsam entwickeln Koordinierungsstelle und Netzwerkpartner hierfür geeignete Formate.